Es ist morgens um 11 Uhr, ich sitze im T-Shirt auf meiner Terrasse, es sind ca. 85° Fahrenheit, die Filmmusik von „McLeods Töchter“ im Hintergrund, um mich herum zwitschernde Vögel, chillende Pferde, ein weiter Blick über die Koppeln, zu den anderen Gebäuden. Bei einem blühenden Baum in meinem Garten flattern immer wieder Kolibris, die Luft flirrt schon über den Feldern, ich kann die rolling hills sehen, merke, dass meine Musik nur stört und mache sie aus. Ich sitze einfach nur hier und genieße. Bin einfach im Hier und Jetzt und alles andere zählt nichts. Man hört keine Autobahn, man hört keine Autos – höchstens die der Rancharbeiter und manchmal ein vorbeifahrendes Auto auf der Straße – aber spätestens wenn ich oben am See bin, weiß ich: … Ja, was weiß ich… Keine Ahnung, aber ich weiß, dass ich gerade hier richtig bin. Dass mir das alles hier unglaublich gut tut. Dass ich alles unglaublich genieße. Dass ich viel neues ausprobiere, wie angeln, schießen, Quad fahren, unbekannte Dinge essen, neue Tiere sehe und kennenlerne, neue Dinge esse, mit dem Einfachen total glücklich bin.
Das coolste Tier hier ist Squeeky – eine Eselin! Sie ist schon uralt, lebt auf der Koppel hinter meinem Haus und genießt dort ihr Leben. Sie ist wunderschön, grau mit einem schwarzen Streifen über die Wirbelsäule und einem quer über die Schultern, hat tolle Ohren und kommt immer gleich an den Zaun, wenn ich in ihre Richtung gehe. Oder Raff – einer der drei Hunde hier – er kann coole Tricks, man kann super mit ihm spielen und schmusen. Quad fahren ist einfach der Hammer – wer braucht schon Pferde, Angeln ist für mich Entspannung pur. Vorgestern Abend sind Bergen und ich, nach dem Abendessen, an ihren See gefahren, hatten Angeln und Bier im Gepäck und hatten dort einen total entspannten, total genialen Abend. Erst angeln und immer wieder die Fische reinschmeißen – die wirklich großen haben immer die Schnur abgebissen oder konnten fliehen J Der Mond ging dann über den rolling hills auf und warf tolles Licht auf den See und die Umgebung, die Sterne kamen hervor, Bergen hat mir Indianerlegenden erzählt, wir saßen einfach auf dem Steg, tranken unser Bier – was will man eigentlich mehr! Außer das mit dem richtigen Mann erleben zu können J
Und wer hätte das gedacht – selbst schießen macht echt Spaß! Und ich war gar nicht so schlecht, war wohl eher Anfängerglück.
Trotzdem ist es für mich hier eben Urlaub, ich muss hier nicht arbeiten, denn das ist sicher bei der Hitze kein Spaß, sondern knallharte Arbeit. Hier bekommt 1. Mose 3 wieder seine wortwörtliche Bedeutung, denn die Männer hier erarbeiten sich ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts.
Wenn man hier durchs Tal fährt, sieht man überall Weinberge, tolle Häuser, wunderschöne Landschaft, St. Helena ist eine kleine, schöne Stadt, doch zeigt sie ganz klar den Reichtum der Gegend hier wieder – dort shoppen zu gehen ist unglaublich teuer und exquisit.
Bergen hat mich gefragt, wenn ich ein Jahr in den USA leben müsste, wo würde ich leben wollen, von den Staaten, die ich schon gesehen habe. Ich hab dann doch einen Tag überlegen müssen. Michigan kommt für mich nicht in Frage, weil es dort im Sommer unglaublich schwül ist, wenn auch die Gegend schön ist mit den Stränden am Lake Michigan. Washington geht auch gar nicht – dort ist es einfach nur hässlich. Oregon dagegen ist echt total schön! Du hast dort Berge und Flüsse und Wälder, es ist viel grüner als hier, es ist Bayern sehr ähnlich, daher hab ich mich dort auch total wohl gefühlt. Aber ich würde tatsächlich Kalifornien wählen. Die Landschaft hier ist ein Traum. Die Hitze ist trocken, daher gut verträglich. Die Leute sind echt total freundlich (wobei das überall so ist). Ich mag einfach diese Weite, diese Freiheiten, die man hier hat. Hier wird mein Kindheitswunsch Bäuerin zu werden wieder sehr real J Mit der Welt zu leben, in der Welt zu leben, sie kennenzulernen, viel mehr und besser, als wenn man nur darauf lebt, die Schöpfung auch mehr und mehr zu begreifen, zu wissen, dass man als Mensch mit ihr verbunden ist und sie nicht nur ausbeuten kann und vor allem Tiere. Das Leben mit ihnen, für sie, lernen wie sie leben, wie sie funktionieren, was gut für sie ist. Manchmal glaub ich, dass Sozialpädagogik vielleicht doch nicht das Beste war für mich…
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