Und ob mans glaubt oder nicht - die ganzen 320 km hab ich mich nicht verlaufen, aber in Santiago, völlig überfordert wie ich war, bin ich prompt an der Herberge vorbeigelaufen... Die lag aber auch unterhalb einer Treppe und war nur sehr mäßig ausgeschildert... Trotzdem ärgerlich. Ich bin dann einfach den anderen Pilgern nachgelaufen und plötzlich stand ich vor der Kathedrale.... Das war schon krass.
Ich bin dann gleich ins Pilgerbüro und hab meine Compostela geholt und hab mich dann auf den Platz vor der Kathedrale gesetzt, um auf Jonna und Nina zu warten, die mir dann den Weg zur Herberge erklärten :)
Es war 9 Uhr und nur langsam kam die Sonne über die Kathedrale, so dass es schon kühl war. Der Platz füllte sich mehr und mehr mit Pilgern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kamen, überall gab es Juchzer und Freudenrufe, man fiel sich in die Arme, machte Fotos,... Da kam ich mir etwas verloren vor, so ganz alleine. Generell war mein Impuls eher - Hau ab, alles ist so laut und so voll und viel zu viele Leute... Die totale Reizüberflutung...
Ich bin dann schnell in die Herberge, geduscht und zack, sofort in die Kathedrale zurück (das waren jeweils ca 2 km zu laufen), um die Pilgermesse mitzubekommen.
Und das war sehr eindrucksvoll!!! Sicher 1200 Leute in der Kathedrale, manch einer noch völlig verschwitzt und mit Rucksack und Pilgerstab bepackt oder in Fahrradkleidung, und eine wirklich schöne Messe!! Eine kleine Nonne mit einer wunderschönen, klaren Stimme, erlernte den Pilgern vor der Messe die Gesänge für die Messe und dann ging es los. Einige Priester hielten die Messe ab, von der Predigt hab ich, natürlich, nur vereinzelte Worte verstanden... Und dann der Höhepunkt - der berühmte, riesige Weihrauch-Schwengel. Normalerweise wird er nur an besonderen Feiertagen benutzt, aber ich hatte Glück. Für dieses riesige Teil waren ca. 8 Männer nötig um es zu bewegen, hin- und herzuschaukeln, damit es quer durch das ganze Kirchenschiff flog. Dazu sang die ganze Kirche - es war wirklich bombastisch!
Nach der Kirche ging ich mit den Mädels (wir stießen noch auf die Schweizerin, die auch in Rithalén gewesen war, so dass nur noch die Spanier gefehlt hätten, um vollständig zu sein) etwas trinken und essen und begab mich dann auf Erforschertour durch die Stadt. Natürlich kaufte ich diverse Souvenirs und hätte noch viel mehr besorgen können :) Unterwegs traf ich tatsächlich auf Sandra, mit der ich einige km gelaufen war (in Zivil hab ich sie fast nicht erkannt) und ging mir ihr etwas essen und trinken.
Den Abend verbrachte ich dann ganz züchtig in der Herberge bei Wäsche machen und Tagebuch schreiben und lesen. Dort sprach ich dann Katharina an, sie war auch alleine unterwegs und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag, um ihn gemeinsam zu verbringen.
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