Freitag, Dezember 05, 2008

14. Tag

Der Tag begann furchtbar schwül. Schon nach ein paar Metern zog ich das Funktionsunterhemd aus und krempelte die Hose nach oben. Und es war gerade mal 8 Uhr morgens und die Sonne ging auf. Morgens hatte ich mich schon über 2 junge Männer gewundert, die tatsächlich um 6 Uhr aufgestanden waren und dann am Abend genauso weit waren wie ich... Vielleicht hatten sie Angst keinen Platz mehr zu bekommen.
Durch die Schwüle hat das Laufen heute gar keinen Spaß gemacht. Ich hatte auch keine Ahnung wie weit ich laufen wollen würde. Palais de Rei war nicht so weit weg und so lief ich extra langsam und gemütlich und war dennoch schon um 10 Uhr dort...

Also lief ich weiter, doch ich wusste, dass unterwegs keine Herbergen kommen würden, als musste ich bis Melide laufen. Das schwüle Wetter war echt grausam und hat gewaltig auf meine Motivation gedrückt. Noch dazu war Sonntag, so dass ich nirgends frisches Obst einkaufen konnte. Ich hatte richtige Gelüste darauf. Und plötzlich lauf ich, nach einer wirklich bescheiden steilen Bergauf-Strecke, in das Dorf "Casanova" und von einem Gehöft geht die Tür auf und eine alte Frau verkauft mir Äpfel und Himbeeren für 1 €!!

Dass war einfach perfekt, wie Gott da für mich gesorgt hat. Dann hab ich auch endlich mal Frühstückspause gemacht und die Beeren und Äpfel von ganzem Herzen genossen. Die Frau hat mich auch darüber aufgeklärt, warum es die ganze Zeit so knallen würde. Es gab einen Moment im Wald, wo so laut neben mir geschossen wurde, dass ich schon Angst hatte, dass da jemand auf der Lauer liegt, der keine Pilger leiden kann... Doch es war nur "Fiesta" - irgendein Feiertag :) Da hatte ich doch nochmal Glück gehabt.
Unterwegs überholte ich mal Nina und Jonna, dann überholten sie mich und so ging das bis Melide. Auf die letzten km hat es etwas angefangen zu tröpfeln, doch leider ist die Luft davon auch nicht besser geworden. Unterwegs traf ich Axel, frisch gebackener Rentner aus Köln, mit dem ich die letzten Meter bis in die Herberge durch die Stadt irrte. Die Albuerge war wirklich nicht gerade Zentrumsnah und leicht zu finden, aber letztendlich haben wir es doch geschafft. Und wie hab ich mich auf die Dusche gefreut!! Aber... sie war kalt. Also nicht so das prickelnde Erlebnis. Ich hab mich dann etwas in meinen Schlafsack verzogen, doch meine Füße waren extrem verkrampft und haben weh getan, so dass ich sie erst Mal richtig massiert habe und dann eingeschlafen bin. Und wer ist im gleichen Zimmer wie ich? Richtig, Jonna und Nina :) Sie waren die beständigsten Begleiter auf meinem Weg. Und auf der Suche nach etwas Essbarem traf ich die beiden und auch Waldtraud und Doris (die beiden Deutschen) und verbrachte mit ihnen einen gemütlichen Abend, den wir relativ früh ausklingen ließen, weil es einfach wirklich kalt wurde.

Donnerstag, Dezember 04, 2008

13. Tag

Mom hatte den Vorschlag gemacht doch noch einen Tag mit dem Bus zu fahren, doch, Gott sei Dank, fuhr kein Bus, so dass ich laufen "musste". Der Tag begann mit dichtem Nebel und stetigem Berauf-Gehen. Unterwegs begegnete ich einer wirklich alten Frau, die den Weg in Rock und Nylon-Strümpfen in ihren Socken lief. Später erfuhr ich, dass sie aus Deutschland war und den Weg schon einige Male gegangen war. Wirklich beachtlich!
Irgendwann kam dann endlich die Sonne durch und ich machte in Hospital del Cruz Frühstückspause und genoss die Zeit und Wärme.

Es war jedoch schon deutlich bemerkbar, dass Santiago näher kam, da immer mehr Menschen unterwegs waren. Ab dem Ort ging es eigentlich fast immer dem Tal entgegen und es wartete eine wunderschöne Strecke auf mich, zwar entlang der Teerstraße, aber es war so gut wie kein Verkehr.An und für sich wollte ich bis Palais de Rei laufen, entschied mich aber angesichts der Zeit dagegen. Ich hatte noch so viele Tage Zeit nach Santiago zu kommen und dann möglicherweise auch noch ans Kap zu fahren, dass ich mir gar keinen Stress machen wollte. Daher visierte ich die nächste Herberge mit Bar an und blieb dann tatsächlich auch schon mittags um 13 Uhr in Airexe/Eiree in einer Mini-Herberge mit gerade mal 18 Plätzen. Aber sie war nagelneu und echt schön hergerichtet. Als ich ankam waren vll 8 Betten belegt, doch als ich aus der Dusche kam, war alles voll. Ich hab dann meine Füße versorgt und mich ein bisschen lang gemacht und als ich aufwache, hör ich auf einmal bekannte Stimmen und da sind doch tatsächlich Nina und Jonna, die beiden Däninnen, in der gleichen Herberge geblieben wie ich!! Gott ist einfach fantastisch :)
Ich hab mir dann noch den Mini-Ort angeschaut, den Friedhof, die Kirche war leider geschlossen und bin abends mit Nina und Jonna in die Bar zum Essen gegangen. Die beiden haben viel aus ihrer Jugend erzählt, sie kennen sich schon seit 50 Jahren und waren gemeinsam viel in der Welt unterwegs. Es war ein genialer, toller Abend!!

Mittwoch, Dezember 03, 2008